Junge mit Büchern
Hannah Sekunde Profil

Leseschwäche erkennen, verstehen und behandeln

In diesem Blogartikel erfährst du, an welchen Merkmalen du eine Leseschwäche erkennen kannst, was sie für Auswirkungen für dein Kind hat und welche Therapiemöglichkeiten bestehen. Als Erwachsene sind wir meist geübte Leser und das Lesen fällt uns leicht. Tatsächlich ist es aber eine komplexe kognitive Fähigkeit, bei der visuelle und phonologische Verarbeitung ebenso wie orthographisches Wissen und metakognitive Fähigkeiten ineinander greifen. Für Leseanfänger ist das eine große Herausforderung, insbesondere für Kinder, die von einer Leseschwäche betroffen sind.

Übersicht

4 Phasen Modell des Schriftspracherwerbs
4 Phasen Modell des Schriftspracherwerbs

So lernen wir lesen

Der Schriftspracherwerb und dementsprechend auch das Lesenlernen verlaufen in vier aufeinanderfolgenden Phasen. Diese können zum Teil nicht klar voneinander getrennt werden, sondern verlaufen parallel.
Am Anfang steht die Lautphase, in welcher das Kind ein Bewusstsein für gesprochene Laute entwickelt und dieses anwendet (z.B. durch das Heraushören von Vokalen in einem Wort, das sichere Zerlegen in Silben oder das Erkennen von Reimen).
In der folgenden Buchstaben-Phase lernt das Kind die bekannten Laute Buchstaben zuzuordnen und damit einhergehend Buchstabenweise zu lesen.
Vor dem Hintergrund des Lesenlernens folgt die sogenannte Abruf-Phase. In dieser Phase entwickelt das Kind die Fähigkeit Wörter im Ganzen zu erkennen, statt sie Buchstabe für Buchstabe erlesen zu müssen. Der Sichtwortschatz des Kindes wird so gefestigt und erweitert.
In der letzten Phase, der Übungs-Phase, wird das Lesen weitgehend automatisiert. Dieser Schritt ist besonders wichtig, da durch eine Automatisierung der Energieverbrauch für das Gehirn erheblich verringert wird und so der Fokus auf dem Inhalt des Gelesenen liegen kann. Es wird schnell und fließend gelesen, ohne bewusst über jeden einzelnen Buchstaben nachzudenken.

Liegt eine Leseschwäche vor, ist es für das Kind aufgrund von genetischen oder neurologischen Ursachen nicht möglich, die einzelnen Phasen problemlos zu durchlaufen. Es benötigt therapeutische Unterstützung und individuelle Förderung, um die genannten Stufen erfolgreich zu meistern.
Möchtest du mehr darüber erfahren, wie du dein Kind auch Zuhause unterstützen und fördern kannst? Dann schaue dir gerne unseren Eltern-Leitfaden an: LRS-Förderung Zuhause: Der Eltern-Leitfaden für 2024 (worthelden.de)

Was ist eine Leseschwäche?

Eine Leseschwäche oder isolierte Lesestörung ist eine Lernstörung, die mit erheblichen Schwierigkeiten im Lesen einhergeht.
Erste Anzeichen zeigen sich bereits bei Leseanfängern, daher sollte in dieser Zeit das Leseverhalten besonders genau beobachtet werden.

Lernstörungen treten häufig gemeinsam auf (Komorbidität), können aber auch einzeln vorkommen. Beobachtbar ist sowohl eine isolierte Rechtschreib- als auch eine isolierte Lesestörung. Bei einer isolierten Lesestörungen funktionieren andere kognitive Fähigkeiten und auch das Schreiben gut, einzig das Lesen bereitet Probleme.
Fallen Schwierigkeiten beim Lesen auf, sollte jedoch in jedem Fall auch eine Legasthenie untersucht werden, da Probleme im Lesen und Schreiben meistens gemeinsam auftreten und so eine LRS vorliegt.
Mögliche Folgen einer unbehandelten Leseschwäche oder LRS können schlechte Noten, eine hohe Frustration einhergehend mit Schulängsten und psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen sein. Eine eindeutige Abklärung beobachteter Probleme ist daher unumgänglich.
Weiteres zu einer Leseschwäche kannst du auch gerne beim BVL nachlesen: Legasthenie Lese-Rechtschreibstörung– Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie e.V. 

Leseschwäche erkennen

Eine Leseschwäche lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen, die genauer beobachtet werden sollten:

  • Langsames und stockendes Lesen (fehlende Leseflüssigkeit)
  • Verwechseln/Vertauschen von Buchstaben und Wörtern
  • Fehlerhaftes Lesen
  • Buchstabenweises Erlesen, keine Synthese
  • Schwierigkeiten beim Erkennen und Verarbeiten des Gelesenen
  • Probleme beim Leseverständnis
  • Vermeidungsverhalten, Frustration
  • Kompensationsstrategien wie z.B. auswendig lernen

Probiert für eine erste Selbsteinschätzung gerne unseren LRS-Test: LRS-Test Worthelden

Ursachen und Gründe für Leseschwäche

Was die Ursachen und Gründe für eine bestehende Leseschwäche angeht, ist sich die Wissenschaft bis heute uneinig. Die Ursachen können vielfältig sein und sich wechselseitig bedingen und beeinflussen.
Möglich sind zunächst genetische Ursachen. Die Forschung hat wiederholt gezeigt, dass Legasthenie gehäuft in Familien vorkommt, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Aber auch neurologische Gründe können vorliegen, die z.B. die Verarbeitungsgeschwindigkeit für sprachliche Informationen betreffen. Hinzukommen Umweltfaktoren, wie eine mangelnde sprachliche Förderung oder psychosoziale Faktoren wie Angst und negative Erfahrungen in Verbindung mit dem Lesenlernen. Funktionelle Probleme auf auditiver oder visueller Ebene sollten in jedem Fall ausgeschlossen werden.
Wichtig ist jedoch, dass die Ursachensuche alles andere als zielführend ist. Stattdessen sollte der Fokus auf eine frühzeitige Unterstützung gelegt werden!

Leseschwäche Übungen

Das menschliche Gehirn kann beim Lesen von Wörtern zwei verschiedene Wege nutzen. Auf der einen Seite steht der direkte (lexikalische) Weg, auf der anderen wiederum der indirekte (sublexikalische) Weg.
Geübte Leser lesen in der Regel automatisch über den direkten Weg. Wörter werden nicht mühsam erlesen, sondern im Ganzen erkannt. Sie werden sozusagen aus dem mentalen Lexikon bekannter Wörter abgerufen.
Der sublexikalische Weg wird beim Lesen von neuen und unbekannten Wörtern genutzt. Das Wort wird in seine einzelnen Bestandteile zerlegt und Buchstabe für Buchstabe erlesen. Dieser Weg ist mühsamer und zeitaufwendiger.

Schaubild 2 Wege des Lesens
Schaubild 2 Wege des Lesens

Eine gute Übung, um das Erkennen von Wörtern im Ganzen zu trainieren, ist das Blitzlesen. Diese Methode hilft dabei, den Sichtwortschatz zu erweitern und dementsprechend das mentale Lexikon bekannter Wörter.
Auf der WORTHELDEN-Webseite kannst du unter verschiedenen Blitzlese-Übungen eine Passende auswählen oder auch selbst erstellen: Blitzlesen • Worthelden.

Auch das Erlesen von Wörtern muss natürlich geübt und sicher werden. Eine gute Methode ist hier das Tandemlesen (ein geübter Leser und ein Leseanfänger lesen gemeinsam z.B. gleichzeitig im Chor) oder auch das Lesen von einfachen Sätzen und Texten, in denen die einzelnen Silben farblich hervorgehoben sind. Bücher mit der Mildenberger Silbenmethode sind hier gut geeignet z.B. Monstergeschichten – Leserabe Erstlesebuch mit Mildenberger Silbenmethode.
Um die Lesemotivation deines Kindes zu steigern, sind auch interaktive Bücher eine große Empfehlung, wie das Buch “Finde den Täter” von Julian Press. Es verbindet spannende Krimi-Geschichten mit Suchbildern und Rätseln.
Darüber hinaus könnt ihr euch an Vereine wie die Leselernhelfer Mannheim wenden. Dort kannst du für dein Kind einen Lesepaten finden, der gemeinsam mit deinem Kind ein Buch liest und den Leseprozess unterstützt.

Was können Eltern bei einer Leseschwäche tun?

Wichtig ist an erster Stelle, das Lesen und demnach auch die Probleme beim Lesen aufmerksam zu beobachten und bei Auffälligkeiten mit Lehrkräften Rücksprache zu halten.
Werden Hinweise auf eine Leseschwäche erkannt, solltet ihr sie testen lassen! Empfehlenswert ist zunächst ein Selbsttest, um eine erste Orientierung zu erhalten (LRS-Test Worthelden), eine vollwertige Diagnostik sollte angeschlossen werden.
Wird euer Verdacht bestätigt, ist es wichtig, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. In der Schule kann ein Nachteilsausgleich Entlastung bieten. Dieser wird bei einer Leseschwäche häufig in Form eines Zeitzuschlags oder durch einen geringeren Textumfang und eine größere Schrift umgesetzt. Für die Behandlung der Leseschwäche ist eine Lerntherapie im 1:1 Setting empfehlenswert.
Zuhause könnt ihr mit Hilfe der vorgestellten Leseübungen die Therapiefortschritte unterstützen und festigen.

Leseschwäche behandeln

Um eine Leschwäche gezielt behandeln zu können, ist das Vorliegen einer Diagnose erforderlich. Nur so können individuelle Schwierigkeiten erkannt und mit Hilfe eines Therapieplans angegangen werden. Im Rahmen einer LRS-Diagnostik werden spezifische Tests, wie der SLRT-II oder der ELFE-II von Fachpersonen durchgeführt, ausgewertet und professionell interpretiert.
Mehr zu einer LRS-Diagnostik kannst du hier nachlesen: LRS-Diagnose: Das muss man wissen​ • Worthelden
Besteht eine isolierte Lesestörung, wird der Fokus in einer Lerntherapie auf eine gezielte Leseförderung gelegt, die eine Verbesserung der Buchstabensynthese und damit einhergehend der Leseflüssigkeit, des Leseverständnisses und des Sichtwortschatzes anstrebt.
Buche dir hier gerne einen kostenlosen Termin, wenn du dich zu einer Online-Lerntherapie bei den WORTHELDEN beraten lassen möchtest.

Eine Leseschwäche ist eine Lernstörung, die isoliert auftreten kann, jedoch meistens zusammen mit Rechtschreibschwierigkeiten beobachtet wird, sodass eine LRS vorliegt.
Eine Leseschwäche äußert sich in Form von Schwierigkeiten beim Erkennen, Erlesen und Verstehen von Buchstaben, Wörtern und Texten. Dabei besteht eine normale Intelligenz.

Eine Leseschwäche lässt sich an verschiedenen Merkmalen erkennen, die aufmerksam beobachtet werden sollten. Dazu gehören langsames, stockendes und fehlerhaftes Lesen, ebenso wie ein häufiges Vertauschen von Buchstaben und ein fehlendes Verständnis für das Gelesene.
Darüber hinaus lässt sich eine Leseschwäche auch an Verhaltensauffälligkeiten erkennen, wie hoher Frustration, psychosomatischen Beschwerden oder einem Vermeidungsverhalten.

Um eine Leseschwäche zu behandeln, ist eine gezielte und individuell angepasste Förderung notwendig. Die optimale Behandlung ist eine Lerntherapie im 1:1 Setting, die durch eine häusliche Förderung unterstützt wird.
In der Schule kann ein Nachteilsausgleich für Chancengleichheit sorgen und Entlastung bieten.

Obwohl Probleme im Lesen und Schreiben meistens gemeinsam auftreten und so eine LRS vorliegt, gibt es auch eine isolierte Lesestörung. In diesem Fall sind ausschließlich die kognitiven Prozesse betroffen, die für das Lesen notwendig sind, wie das phonologische Bewusstsein und die visuell-orthographische Verarbeitung. Andere kognitive Fähigkeiten funktionieren normal oder sogar überdurchschnittlich.

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Bei einer LRS (Lese-Rechtschreib-Störung bzw. Legasthenie) handelt es sich um eine Lernstörung, bei der betroffene Personen erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, obwohl sie eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz aufweisen. Eine LRS

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